Mecklenburg-VorpommernKokain-Seglerprozess: "Ich spürte, wie mein Herz zersprang"

Ein älteres Ehepaar unternimmt eine gefährliche Atlantiküberquerung in die Karibik. Es geht vieles schief. Auf der Rückfahrt wird das Boot mit Kokain an Bord gestoppt. Nun sagte die Frau erstmals aus.
Rostock (dpa/mv) - Die wegen Kokain-Schmuggels mit einem Segelboot mitangeklagte 68-jährige Frau hat vor dem Rostocker Landgericht in einer emotionalen Erklärung ihre Unschuld beteuert. Sie habe nicht mitbekommen, wie das Rauschgift an Bord gekommen sei. "Ich habe von den Vorhaben meines Mannes nichts gewusst", sagte die Frau unter Tränen in ihrer Erklärung. Auch ihr Mann, der 60-jährige Hauptangeklagte hatte ausgesagt, dass seine Frau nichts von dem Rauschgift gewusst habe.
Der abenteuerliche Segeltörn des Paares nach Kolumbien und zurück begann im September 2024 in Rostock endete am 8. August vorigen Jahres vor den Azoren, als die portugiesische Marine das Boot in den frühen Morgenstunden enterte und die rund 264 Kilogramm Kokain unter Deck fand. "Ich wusste nichts von dem Kokain", sagte die Frau, die fünf erwachsene Kinder hat und eine Online-Firma leitete. Sie habe "0,0" Segelkenntnisse gehabt, dafür aber Angst vor tiefem Wasser.
Dass sie dennoch mitgefahren sei, habe nur damit zu tun, dass sie ihre Ehe habe retten wollen. Sie berichtete, dass der Mann eine Beziehung zu einer Frau in Kolumbien unterhalten habe. Das habe sie zufällig durch E-Mails erfahren. "Das hat mich tief verletzt und mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich spürte, wie mein Herz zersprang."
Der Fahrt habe sie zugestimmt, als ihr Mann ankündigte, die Beziehung zu der Kolumbianerin zu beenden. Auch habe er ihr versprochen, die Reise sei eine Art nachgeholter Hochzeitsreise. "Diese Idee hat mir gefallen." Kolumbien sei aber nie das Reiseziel gewesen. Von Rostock stachen sie am 10. September 2024 in See und fuhren mit Umwegen und ungeplanten Hafenaufenthalten bis nach Cartagena in Kolumbien. Die Reise war von lebensgefährlichen Stürmen, technischen Pannen und Havarien geprägt.
Voller Trauer und Tränen
Die 68-Jährige sprach von einer tiefen Enttäuschung. Sie habe sich nicht vorstellen können, dass ihr Mann sie damit hineinziehen und in Gefahr bringen könnte. "Der Sinn des Lebens für mich war immer ehrliche Arbeit." Auch sei ihre Firma schuldenfrei und sie habe Rücklagen gebildet.
Ihren auf der Anklagebank sitzenden Mann erinnerte sie ans Eheversprechen, als man sich Beistand in guten wie in schlechten Tagen zugesagt habe. "Man sollte doch wenigstens versuchen, dass das Versprechen nicht leer bleibt." Die Beziehung zu der Frau in Kolumbien gebe es zwar nicht mehr. Aber der Trümmerhaufen sei noch größer geworden. "Ich habe mit der ganzen Katastrophe schwer zu kämpfen. Ich bin voller Trauer und Tränen. Ich bin unschuldig und zugleich verzweifelt, dass ein solches Bild von mir gezeichnet wird."
Hohe Sicherheitsvorkehrungen
Die sichtlich mitgenommene Angeklagte verbrauchte während ihrer Aussage mehrere Taschentücher, weinte fast ununterbrochen, trug die Erklärung aber dennoch laut und deutlich vor. Das Angebot des Richters für eine Pause lehnte sie ab. Sie werde auch Fragen beantworten, sagte sie. Dazu solle es am nächsten Verhandlungstag am 18. November kommen.
Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Im Gerichtssaal waren auch maskierte Polizisten anwesend. Besucher müssen Sicherheitsschleusen passieren. Die Jalousie-Vorhänge des Saals bleiben zum Sichtschutz während der Verhandlungen geschlossen. Die Angeklagten gelten als "hochgefährdet" und sollen vor etwaigen Bedrohungen aus dem Milieu der Organisierten Kriminalität geschützt werden.