Der Börsen-TagMehr Klarheit - und geopolitische Risiken
Unsicherheit mögen Anleger gar nicht. So gesehen, ist die Kursreaktion nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen nachvollziehbar. Die Demokraten haben mit deutlichem Vorsprung die Mehrheiten im US-Repräsentantenhaus und im Senat erobert, was das Regieren für US-Präsident Donald Trump wesentlich schwieriger machen dürfte. Der Dax schloss 2,2 Prozent fester und mit 26.438 Punkten auch deutlich über der 26.000er-Marke – und nahe des Allzeithochs von 26.619 Zählern.
"Geteilte Machtverhältnisse dürften für mehr politische Kontinuität sorgen und die Wahrscheinlichkeit umfassender Änderungen bei Steuern, Staatsausgaben oder Regulierung verringern. Da sich größere innenpolitische Gesetzesvorhaben nun schwieriger durchsetzen lassen, könnte Präsident Trump seinen Schwerpunkt stärker auf Handel, Zölle und Außenpolitik verlagern", so Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Mit klareren Mehrheitsverhältnissen könnte zumindest die wahlbedingte Unsicherheit nachlassen, sagt Analyst Salah-Eddine Bouhmidi von IG. Die geopolitischen Risiken blieben jedoch bestehen. Insbesondere der Iran-Konflikt und eine mögliche Eskalation im Nahen Osten dürften die Anleger weiterhin beschäftigen.
Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve, die EZB und auch die Bank of Japan bereits ihre Zinsentscheidungen gefällt haben, steuert die britische Notenbank heute wegen der hartnäckigen Inflation auf eine Zinserhöhung zu. Laut Expertenschätzung dürfte der Leitzins um einen Viertelpunkt auf 4,00 Prozent steigen. Die von höheren Energiepreisen getriebene Inflation war zuletzt auf 3,5 Prozent geklettert und liegt damit weit über dem Zielwert der Bank of England (BOE) von 2,0 Prozent. Großbritannien ist wegen seiner Abhängigkeit von Erdgasimporten stärker von den Folgen des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks betroffen als viele andere westliche Länder. BOE-Chef Andrew Bailey hat gewarnt, dass ein langwieriger Konflikt im Nahen Osten eine straffere Geldpolitik erforderlich machen könnte.
Unternehmensseitig können sich die Anleger heute durch eine Vielzahl von Geschäftszahlen wühlen: So dürfte der weltgrößte Autobauer Toyota etwa bei der Vorlage seiner Quartalszahlen dank eines schwächeren Yen und einer starken Nachfrage nach Hybridfahrzeugen den ersten Gewinnanstieg seit sechs Quartalen ausweisen. Analysten erwarten für das abgelaufene Quartal einen Anstieg des Betriebsgewinns um 18 Prozent. Damit würde der japanische Konzern einen Absatzrückgang in China mehr als ausgleichen. Zudem profitiert der Toyota vom Wegfall von US-Zollkosten, die das Ergebnis im Vorjahreszeitraum noch belastet hatten.
Hierzulande wiederum hoffen Anleger der Deutschen Telekom nach den starken Zahlen von T-Mobile auf ermutigende Zwischenergebnisse des Mutterkonzerns. Sie gehen davon aus, dass die Telekom wie üblich dem Beispiel ihrer US-Tochter folgt und ihre Jahresziele entsprechend anpasst. Analysten erwarten für das dritte Quartal einen Umsatz von 30,38 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 11,96 Milliarden Euro.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall dürfte auch im dritten Quartal Wachstum ausweisen. Anleger werden aber sehr genau darauf achten, wie rasant die Zuwachsraten ausfallen – und ob sich wichtige Aufträge verzögern. Analysten erwarten einen Umsatzanstieg auf 3,3 Milliarden Euro von 2,3 Milliarden Euro vor Jahresfrist sowie ein operatives Ergebnis von 531 Millionen Euro.
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