Wirtschaft

Blase droht zu platzenWahlerfolg ihrer Kritiker könnte der KI-Branche aus der Patsche helfen

04.11.2026, 18:53 Uhr
imageVon Max Borowski
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Protest gegen ein neues Rechenzentrum: Der ungebremste Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz war für viele Wähler ein wichtiges Thema. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Der Ausbau künstlicher Intelligenz war ein wichtiges Thema im Wahlkampf in den USA - vor allem die gigantischen Rechenzentren, die vielerorts entstehen. Sollten die Demokraten nach ihrem Erfolg diese Expansion bremsen, könnte das der Branche sogar helfen. Die Gefahr, dass die gewaltige KI-Blase platzt, ist allerdings nicht gebannt.

Der milliardenschwere Ausbau der künstlichen Intelligenz "steht zur Wahl", schreibt die US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" am Tag vor den amerikanischen Zwischenwahlen. Am Tag danach steht fest: Die Wähler haben sich eindeutig dagegen ausgesprochen. Die Macht der Technologiekonzerne und KI-Entwickler sowie der Ausbau von Rechenzentren gehörten Umfragen zufolge zu den wichtigen Themen vieler Wähler. Landesweit waren demokratische Kandidaten erfolgreich, die sich für eine stärkere Regulierung von KI-Unternehmen und gegen den Bau weiterer energiehungriger Rechenzentren positioniert hatten. Für die KI-Branche muss das allerdings nicht unbedingt eine Niederlage sein.  

Eine Verlangsamung des überhitzten Investitionszyklus könnte sogar heilsam sein und das Risiko verringern, dass die viel zitierte KI-Blase platzt. In diesem Jahr dürften die weltweiten Investitionen im Zusammenhang mit dem Ausbau von KI und der damit zusammenhängenden Infrastruktur rund eine Billion Dollar erreichen, der Großteil davon in den USA. In den kommenden Jahren soll diese Summe weiter steigen. Seit langem gibt es Zweifel, ob sich diese Investitionen jemals rechnen werden. Aus ihren laufenden Einnahmen können selbst Tech-Giganten wie Google, Amazon & Co. diese Summen nicht aufbringen, sondern nehmen immer mehr Schulden in Form von Anleihen am Kapitalmarkt auf. Doch inzwischen zögern Investoren vermehrt, dieses Geld zur Verfügung zu stellen. Berichten zufolge wurden zuletzt Anleiheemissionen für KI-Projekte verschoben.  

Zudem stößt der Ausbau teilweise an physische Grenzen. Microsoft berichtete in seinem jüngsten Quartalsbericht, dass es fünf Milliarden Dollar geplante Investitionen nicht ausgeben konnte wegen Kapazitätsengpässen bei Zulieferern. Die Bauindustrie kommt mancherorts kaum hinterher mit der Errichtung der gigantischen Computeranlagen, Chips sind ebenfalls knapp. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage treibt die Preise und verstärkt die Zweifel, ob sich die Investitionen je auszahlen werden.  

Aus dem möglicherweise ruinösen Rennen auszusteigen, kann sich allerdings keines der Unternehmen leisten. Da KI nicht nur neue Geschäftsmodelle ermöglicht, sondern viele der bisherigen ablösen könnte, müssen die Technologiekonzerne an der Spitze der Entwicklung bleiben. Der politische Gegenwind nach der Wahl könnte es nun allerdings ermöglichen, das KI-Rennen gemeinsam zu entschleunigen, schreibt etwa der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman. So könne aus der "KI-Blase möglicherweise die Luft abgelassen werden, statt sie platzen zu lassen".  

Gouverneure könnten Rechenzentren stoppen

Bezeichnend ist, dass unter anderem der KI-Anbieter Anthropic, der in den kommenden Wochen den möglicherweise größten Börsengang aller Zeiten absolvieren will, eindringlich für mehr staatliche Regulierung und eine Verlangsamung der Entwicklung leistungsstarker Modelle geworben hat. US-Präsident Donald Trump hat diese Idee bisher jedoch vehement abgelehnt. Zwar können die Demokraten trotz ihrer Mehrheit in den beiden Kongresskammern ohne Trumps Zustimmung nicht ohne weiteres umfangreiche KI-Regulierung umsetzen. Der eindeutige Wahlausgang könnte allerdings auch einige republikanische Abgeordnete dazu bewegen, von der Linie des Präsidenten abzuweichen und an strengeren Regeln für die KI-Branche mitzuarbeiten.  

Wichtiger für die Entwicklung der KI-Investitionen als der Kongress sind zudem die Gouverneure der Bundesstaaten. Entscheidend sind einer Schätzung zufolge vor allem Texas, Georgia und Pennsylvania. Allein in diesen drei Bundesstaaten sind demnach derzeit 284 Rechenzentren geplant mit einer Leistung von 33 Gigawatt. Das entspricht in etwa der Kapazität aller US-Rechenzentren im Jahr 2024. In allen drei Staaten haben sich demokratische Gouverneurskandidaten durchgesetzt, die einen Stopp oder zumindest Einschränkungen für neue Rechenzentren befürworten.  

Ob und für welche Unternehmen es zu einer gesunden Entschleunigung des KI-Ausbaus oder zu einem gefährlichen Schock kommt, ist nicht ausgemacht. Das wird davon abhängen, wie strikt die Wahlsieger das versprochene Maß gegen Rechenzentren umsetzen und welche Projekte genau betroffen sind. Im besten Fall werden geplante Bauvorhaben, die noch nicht in der Umsetzung sind, auf Eis gelegt. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass die neuen Gouverneure auch Projekte stoppen, in die bereits Milliardeninvestitionen etwa für den Kauf von Computerchips, geflossen sind. Daraus resultierende Verluste könnten im schlimmsten Fall das gefürchtete Platzen der KI-Blase auslösen. 

Quelle: ntv.de

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