"Thema ernst nehmen"Telekom hebt Prognose an und spürt den rauen Wind durch Starlink

Die Telekom legt einen mehr als soliden Sommer hin. Umsatz und Ergebnis legen zu. Die Aktionäre sollen davon profitieren. In den USA erwächst den Bonnern mit Musks Starlink-Plänen jedoch neue Konkurrenz, auf die der Dax-Konzern reagieren muss.
Die Deutsche Telekom blickt dank eines robusten Wachstums optimistisch in die Zukunft. "Wir werden unsere Ergebnisse nicht nur erreichen, sondern übertreffen", sagte Konzernchef Tim Höttges. Er kündigte eine Anhebung der Dividende um zehn Prozent auf 1,10 Euro sowie zusätzliche Aktienrückkäufe im Wert von bis zu zwei Milliarden Euro an. Bei den Prognosen für das Gesamtjahr folgte er wie üblich dem Vorbild der US-Tochter T-Mobile und hob sie leicht an.
Der Bonner Konzern erhöhte seinen Umsatz im dritten Quartal auf Jahressicht um 5,5 Prozent auf 31 Milliarden Euro. Der operative Gewinn wuchs um acht Prozent und übertraf mit mehr als zwölf Milliarden Euro die Markterwartungen leicht. Ein weiterer Lichtblick war erneut T-Systems. Die IT-Dienstleistungs- und Cloud-Tochter steigerte ihren Auftragseingang dank einer rasant wachsenden Nachfrage nach KI-Anwendungen um mehr als ein Viertel auf 883 Millionen Euro. Die Telekom will daher kommende Woche Details zur geplanten Erweiterung ihres KI-Rechenzentrums in München präsentieren. Zu einer möglichen Bewerbung der Telekom um den Betrieb einer europäischen KI-Gigafactory äußerte sich Höttges jedoch zurückhaltend. Dazu sei es zu früh.
Ein Börsianer bezeichnete die Quartalsergebnisse der Telekom als stark. Anleger hätten jedoch auf eine etwas höhere Dividende gehofft. Zudem drückten die anhaltenden Spekulationen über eine Fusion von Telekom und T-Mobile auf die Stimmung. Daher konnte die Telekom-Aktie ihre vorbörslichen Kursgewinne nicht halten und verlor zeitweise mehr als drei Prozent.
Dieses Thema beherrscht seit Monaten die Schlagzeilen. Den Überlegungen zufolge sollen die beiden Unternehmen in einer gemeinsamen Holding aufgehen. Experten bezweifeln jedoch, dass der Unternehmenswert durch einen Zusammenschluss wie erhofft gesteigert werden kann. Zudem seien US-Anleger nicht daran interessiert, sich durch die Fusion ein europäisches Unternehmen mit vergleichsweise schwachem Wachstum ins Portfolio zu holen.
Als Hauptmotiv für einen Zusammenschluss gilt der wachsende Konkurrenzdruck durch Starlink, die Satellitentochter des Raumfahrtkonzerns SpaceX. Das Unternehmen des Milliardärs Elon Musk sicherte sich unlängst in den USA ein Paket an Funkfrequenzen, um satellitengestützte Gespräche und Internetverbindungen über handelsübliche Smartphones anzubieten. "Das Thema ist ernst zu nehmen", betonte Marcel Tietjen, Technologieexperte der Beratungsfirma BearingPoint. "Vor zwei Jahren galt Satellitenempfang auf dem Handy noch als Nische." Inzwischen könnte sich einer Umfrage seines Hauses zufolge ein Drittel aller Mobilfunkkunden in Deutschland einen Wechsel zu Starlink vorstellen.
"Wir müssen davon ausgehen, dass es in den USA künftig vier Mobilfunkanbieter geben wird", sagte Höttges. Er nehme die drohende Verschärfung des Wettbewerbs sehr ernst und rechne mit einer Verschlechterung der Gewinnmargen. Der Telekom-Chef hatte unlängst die Konkurrenz mit Musk neben den Umwälzungen durch KI als die größte Herausforderung bezeichnet. Einem Medienbericht zufolge liebäugelt SpaceX mit der Übernahme des US-Mobilfunkers Boost, einer Tochter des Satellitenbetreibers EchoStar. Starlink benötigt ein traditionelles Handynetz, da direkte Verbindungen vom Smartphone zum Satelliten nur bei freier Sicht zum Himmel funktionieren.
Die EU hat einen Großteil der im kommenden Jahr zur Neuvergabe anstehenden Lizenzen für heimische Anbieter reserviert. Um diese Frequenzen will sich die T-Mobile-Mutter Telekom gemeinsam mit Telefonica aus Spanien, Vodafone aus Großbritannien und Orange aus Frankreich bewerben. Die Unternehmen müssten rasch entsprechende Tarife mit Satellitenempfang anbieten, riet BearingPoint-Experte Tietjen. "Wer die Satelliten betreibt, wird dabei weniger wichtig als die Frage, wem der Kunde gehört."