Wirtschaft

Familie vermietet an KonkurrenzPeek und Cloppenburg droht der Verlust seiner besten Adressen

05.11.2026, 13:39 Uhr
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Peek und Cloppenburg ist ein familiengeführtes Modeunternehmen im Textileinzelhandel mit Sitz in Düsseldorf. Insgesamt beschäftigt die P&C-Gruppe inklusive aller Filialen im In- und Ausland rund 16.000 Mitarbeiter. (Foto: IMAGO/Sven Simon)

Der Düsseldorfer Modehändler Peek und Cloppenburg verliert voraussichtlich seine prominenten Häuser in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf. Die Immobilie in der Heimatstadt muss angeblich schon in einem Jahr geräumt sein. Neuer Mieter soll ein internationaler Konkurrent sein. Für das angeschlagene Unternehmen ist das ein weiterer schwerer Einschnitt.

Ausgerechnet seine Top-Adressen könnten Peek und Cloppenburg (P&C) abhandenkommen. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Insider berichtet, soll der Düsseldorfer Modehändler die Mietverträge für seine drei sogenannten Weltstadthäuser in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf verlieren. Das Düsseldorfer Stammhaus muss demnach bereits im Oktober 2027 geräumt werden. Auch die Häuser am Berliner Kurfürstendamm und an der Frankfurter Zeil sollen künftig an den spanischen Inditex-Konzern vermietet werden. Zu dem Konzern gehören Marken wie Zara, Bershka und Massimo Dutti.

Im Umfeld der beteiligten Unternehmen heißt es demnach, die Verträge mit Inditex für alle drei Städte seien bereits unterschrieben. P&C erklärte auf Anfrage der Zeitung dagegen, es sei "diesbezüglich nichts entschieden". Inditex kommentierte die Spekulationen nicht, auch die Immobiliengesellschaft Midstad wollte sich zu einzelnen Vertragsbeziehungen nicht äußern. Bei P&C Düsseldorf geht es um das von der JC Switzerland Holding aus dem schweizerischen Zug geführte Unternehmen. Es ist rechtlich nicht mit dem gleichnamigen Modehändler aus Hamburg verbunden.

Für P&C wäre der Verlust ein empfindlicher Einschnitt. Die drei Häuser stehen für das traditionelle Geschäftsmodell des Unternehmens: große Verkaufsflächen, ein breites Sortiment unter einem Dach. Doch genau dieses Format gerät zunehmend unter Druck.

Inditex setzt auf große Markenwelten

Inditex verfolgt in deutschen Großstädten eine klare Expansionsstrategie mit großen Flagship-Stores, in denen mehrere eigene Marken unter großen Dächern gebündelt werden, statt sie auf viele kleinere Geschäfte zu verteilen. Dafür braucht der Konzern Flächen, wie sie die P&C-Häuser in Düsseldorf, Berlin und Frankfurt bieten - zentral gelegen und großzügig geschnitten.

Auch im Geschäftsmodell unterscheidet sich Inditex deutlich von P&C. Der spanische Konzern steuert wesentliche Teile des Geschäfts selbst – von der Entwicklung der Kollektionen über die Produktion bis zum Verkauf. Das ermöglicht es ihm, Trends und Nachfrage vergleichsweise schnell aufzugreifen und seine Marken international zu vermarkten. P&C setzt dagegen auf ein anderes Prinzip: Als Multimarkenhaus bietet der Händler eine breite Auswahl verschiedener Hersteller und positioniert sich damit bewusst als Gegenmodell zu Anbietern wie Zara und H&M.

Vermieter und Mieter verfolgen eigene Interessen

Besonders brisant ist der Vorgang wegen der Eigentümerverhältnisse: Die Immobiliengesellschaft Midstad, die die drei Häuser verwaltet, gehört wie der Modehändler zur Unternehmerfamilie um Patrick Cloppenburg. Das verhindert offenbar nicht, dass beide Seiten unterschiedliche geschäftliche Interessen verfolgen. "Er als Vermieter und wir als Mieter müssen uns jeweils fragen: Was ist das Beste für uns?", sagte Geschäftsführerin Constanze Freienstein dem "Handelsblatt".

Midstad plant, seine großen Immobilien künftig nicht mehr allein für den Einzelhandel zu nutzen. Neben kleineren Verkaufsflächen sollen dort auch Büros, Gastronomie und Wohnungen Platz finden. Ein ähnliches Konzept verfolgt das Unternehmen beim Düsseldorfer Carsch-Haus, das es im Juli für ein Investorenkonsortium übernommen hat

In der Branche lösen die Vorgänge Unverständnis aus. Ein hochrangiger Manager, den die Zeitung zitiert, wertet sie als Zeichen dafür, dass der Eigentümer nicht mehr uneingeschränkt an die Zukunft des Einzelhandelsgeschäfts glaube. Ein anderer Branchenkenner sieht Patrick Cloppenburg inzwischen stärker auf das Immobiliengeschäft ausgerichtet.

P&C muss seine Filialen verkleinern

Der mögliche Verlust der drei Häuser trifft P&C in einer Phase, in der das Unternehmen sein Geschäftsmodell ohnehin grundlegend umbauen muss. Der Düsseldorfer Händler büßt seit Jahren Umsatz ein und durchlief 2023/24 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Vor der Pandemie hatte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 1,49 Milliarden Euro erzielt, im vergangenen Jahr lag er nach Schätzung des "Handelsblatts" unter einer Milliarde.

Seit knapp einem Jahr arbeitet Geschäftsführerin Freienstein an einer Neuausrichtung. Die Filialen sollen kleiner und wirtschaftlicher werden. "16.000 Quadratmeter Fläche sind heute nicht mehr angemessen", sagte sie Mitte Oktober der Zeitung. Künftig seien meist 3000 bis 5000 Quadratmeter geplant, an einzelnen Standorten bis zu 10.000.

Das Filialnetz soll damit nicht zwangsläufig schrumpfen. P&C betreibt derzeit 82 Häuser in Deutschland, der Schweiz und den Benelux-Staaten, davon 76 in Deutschland. Mittelfristig seien sogar mehr Filialen geplant, sagte Freienstein. Entscheidend sei, dass jedes Haus wirtschaftlich arbeite. Auch in der Zentrale wird weiter gespart: Zusätzlich zu den 350 Stellen, die während des Insolvenzverfahrens abgebaut wurden, sollen bis Ende dieses Jahres weitere Arbeitsplätze wegfallen. Am Hauptsitz arbeiten aktuell noch rund 900 Beschäftigte. Insgesamt beschäftigt die gesamte Düsseldorfer P&C-Gruppe inklusive aller Filialen im In- und Ausland rund 16.000 Mitarbeiter.

Quelle: ntv.de, ddi

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