Vor allem, wenn es nicht glänztDas Amazon Alexa Tablet 12 Pro ist eine echte iPad-Alternative
Von Klaus Wedekind.webp)
Amazon löscht das Fire und nennt seine Tablets jetzt Alexa, auch das eigene Betriebssystem ist Geschichte. Das Flaggschiff Alexa Tablet 12 Pro erweist sich im Praxistest als interessante Android-Alternative zum iPad, speziell, wenn es ein mattes Nanotextur-Display hat.
Amazons Tablets zeichneten sich bisher eher durch besonders günstige Preise als hohe Qualität aus. Außerdem waren ihre Möglichkeiten durch ein eigenes Android-Betriebssystem eingeschränkt. Doch inzwischen hat der Konzern seine Tablet-Strategie komplett geändert und setzt auf hochwertigere Hardware, schickes Design und Google Android. Verantwortlich dafür ist vor allem Panos Panay, der zuvor bei Microsoft für die Surface-Sparte verantwortlich war und 2023 zu Amazon wechselte. Vergangenes Jahr folgte ihm auch noch Designchef Ralf Groene. Das Ergebnis ist die neue Alexa-Tablet-Serie. ntv.de hat das Flaggschiff 12 Pro ausprobiert, das ab knapp 500 Euro zu haben ist.
Schick und hochwertig
Wie alle Geräte der Linie hat das Alexa Tablet 12 Pro ein schickes Gehäuse aus mattem Aluminium. Es ist 6,5 Millimeter dünn, 550 Gramm leicht und hat um das Display nur einen dünnen Rand. Im Ein-/Aus-Schalter sitzt ein präzise und flott arbeitender Fingerabdrucksensor. Erfreulicherweise wird seine Position durch einen pulsierenden Halbkreis angezeigt, so findet man ihn auch sofort, wenn man das Gerät gedreht hat. Die Verarbeitung ist hochwertig, das Tablet ist nach IP52 gegen Staub und Spritzwasser geschützt.
Beim 12-Zoll-Bildschirm handelt es sich zwar nur um ein LCD und kein OLED-Panel, aber es ist mit 280 Pixeln pro Zoll (ppi) sehr scharf und bietet eine hohe Wiederholfrequenz von 120 Hertz. Dazu kann es mit bis zu 500 Nits hell leuchten und erzeugt schöne, natürliche Farben. Für eine offizielle HDR-Unterstützung reicht das aber nicht aus, obwohl Videos auf dem Display im Format 3:2 sehr gut aussehen.
Nanomatte-Display lohnt sich
Für 100 Euro extra kommt das Alexa Tablet 12 Pro mit einem matten Nanotextur-Display. Das ist zwar ein hoher Aufpreis, aber er lohnt sich, immerhin sieht man so etwas sonst nur bei einem sündhaft teuren iPad Pro. Am besten greift man dann aber gleich zur 256-GB-Variante für rund 670 Euro, die es nur mit dem sogenannten Nanomatte-Display gibt. Denn Amazon liefert sie obendrein mit 16 statt 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher aus.
Mit der speziell behandelten Oberfläche spiegelt das Display selbst im Freien so gut wie gar nicht, was beeindruckend ist. Außerdem bietet es ein fast natürliches Schreibgefühl, wenn man Amazons Eingabestift verwendet. Leider gehört er auch bei der 256-GB-Variante nicht zum Lieferumfang, sondern kostet 85 Euro extra. Das ist vergleichsweise teuer, aber der Stift ist ausgezeichnet. Er arbeitet praktisch verzögerungsfrei, er zieht je nach Neigung und Druck unterschiedliche Linien und lädt kabellos, wenn er magnetisch am Tablet anhaftet. Geht er verloren, kann man ihn suchen, indem man ihn einen Ton abspielen lässt.
Starkes, aber teures Zubehör
Man bekommt den Stift auch im Bundle mit einer zweiteiligen Tastaturhülle. Hier sieht man die Handschrift von Ralf Groene, denn Keyboard und der stufenlos verstellbare Klappständer der Rückseitenabdeckung erinnern stark an Surface-Tablets. Die ausgezeichnete Tastatur ist komfortabel zu tippen, das relativ große Touchpad schmeichelt den Fingern und reagiert präzise.
Blöd nur, dass das hochwertige Zubehör den Preis abermals deutlich in die Höhe treibt. Alleine kostet es knapp 140 Euro. Als Komplettpaket muss man für das Tablet mit 256/16 GB Speicher, Tastaturhülle und Stift rund 805 Euro hinblättern, mit einem 128-/8-GB-Tablet und Nanomatte-Display sind es 705 Euro.
Ausreichend Leistung
Für einen guten Ton sitzen links und rechts an den schmalen Seiten vier Lautsprecher, die Dolby Atmos unterstützen. Sie machen einen prima Job, liefern sogar tatsächlich einen gewissen Raumklang. Erwartungsgemäß fehlen dem Ton aber satte Tiefbässe.
Angetrieben wird das Alexa Tablet 12 Pro von einem Mediatek Dimensity 8400. Der Chip ist gute Mittelklasse und gewährt jederzeit eine flüssige Bedienung, zumindest bei der getesteten Variante mit 16 GB Arbeitsspeicher. Der Prozessor ist auch stark genug für Foto- und Bildbearbeitung, besonders aufwendige Spiele können ihn aber in die Knie zwingen.
Mit Amazons Cloud-Gaming-Dienst Luna kann man auch AAA-Titel auf dem Tablet zocken, wenn die Internetverbindung das zulässt. Das Tablet kann dafür immerhin mit Wi-Fi 6E funken, Bluetoothverbindungen geht es mit Version 5.3 LE ein. Mit USB 3.2 Gen 1 erlaubt der USB-C-Anschluss Datenübertragungen mit bis zu 5 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s). Der Flash-Speicher ist mit 128 oder 256 Gigabyte (GB) recht mager ausgefallen, und leider kann man ihn auch nicht mit microSD-Karten erweitern.
Hohe Ausdauer
Der Akku hat eine Kapazität von 9000 Milliamperestunden (mAh), womit das Tablet im Praxistest eine erstaunliche Ausdauer bewiesen hat. Nutzt man es nur gelegentlich, hält es locker mehrere Tage durch, auch wenn man es im Stand-by-Betrieb lässt. Aber auch bei intensivem Gebrauch musste es erst nach 48 Stunden ans Netzteil. Laut Amazon kann man bis zu 16 Stunden Videos ansehen oder 20 Stunden Kindle-Bücher lesen.
Apropos Kindle. Das Tablet kommt zwar mit Android 16 und Google Playstore, aber Amazon hat natürlich nicht darauf verzichtet, es an seine Dienste anzupassen. Dazu gehört ein Kindle-Lesemodus, bei dem man die Modi Farb- oder Tintenpapier wählen kann. Es wirkt dann fast so, als lese man auf einem Kindle-Reader, speziell, wenn man ein Nanomatte-Display hat. Der Modus endet automatisch, wenn man die App beendet.
Für Alexa gemacht
Wischt man nach rechts, hat man direkten Zugriff auf alle zuletzt gesehenen, gespielten oder gelesenen Inhalte und erhält Empfehlungen. Während man das noch ignorieren kann, gibt es auf dem Homescreen links oben ein immer eingeblendetes Info-Fenster, über das man angefangene Inhalte fortsetzen kann. Es ist aber auch praktisch, da hier Benachrichtigungen eingeblendet sowie Uhrzeit und Wetter angezeigt werden.
Schließlich ist Amazons KI-Assistent Alexa allgegenwärtig. Über ein kleines Fenster unten rechts, kann man ihn direkt aufrufen, unter anderem Fragen stellen oder das Smarthome steuern. Das sich öffnende Fenster kann man verschieben und dessen Größe verändern. Wenn man möchte, kann man auch den Zugriff auf Bildschirminhalte freigeben und dem Assi dazu Fragen stellen.
Hat man auf Alexa keine Lust, kann man stattdessen ChatGPT, den Google Assistant oder Perplexity in den Geräteeinstellungen wählen. Es gibt auch die Option, keinen Sprachassistenten zu nutzen. Das gilt aber nur für Android-Funktionen wie langes Drücken des Einschalters, Alexa bleibt mit dem Such-Fenster trotzdem anwesend.
Fazit
Technisch ist das Alexa Tablet 12 Pro im Vergleich zu seinen Vorgängern ein Leckerbissen, auch Design und Verarbeitung sind top. Mit Google Android und dem Play Store bietet es auch viel mehr Möglichkeiten. Allerdings gibt es nach wie vor weniger gut an Tablets angepasste Apps unter Android als unter iPadOS. Und letztlich sind alle Alexa-Tablets speziell für Nutzerinnen und Nutzer interessant, die ein Prime-Abo haben und sich auch sonst in der Amazon-Welt wohlfühlen.

