Regionalnachrichten

Nordrhein-WestfalenProzess um Übergriffe in Heim: Angeklagte könnten aussagen

05.11.2026, 03:32 Uhr
image

Die Verteidiger verweisen auf richterliche Beschlüsse und detaillierte Protokolle. Aber gerade diese Aufzeichnungen sind Grundlage für die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Bielefeld (dpa/lnw) - Im Prozess um den Vorwurf von gewaltsamen Übergriffen in einem Heim für Menschen mit Behinderung in Ostwestfalen äußern sich am Donnerstag (9.00 Uhr) möglicherweise die ersten Angeklagten. Zum Auftakt am 24. September hatte die Staatsanwaltschaft rund drei Stunden lang die Anklage verlesen. In den folgenden Prozesstagen hatten mehrere Verteidiger Stellungnahmen zu den Vorwürfen abgegeben. Weitere könnten jetzt folgen. Ob dann noch Zeit bleibt für Stellungnahmen der Angeklagten ist offen.

Angeklagt sind drei ehemalige leitende Mitarbeiter und ein Arzt, weil sie die Taten jahrelang angeordnet haben sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft den 53 bis 73 Jahre alten Angeklagten unter anderem Freiheitsberaubung in fast 200 Fällen vor. Dabei geht es um eine Wohngruppe für verhaltensauffällige Menschen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen. Im Zentrum der Anklage steht ein sogenannter Time-Out-Raum - ein kahles Zimmer völlig ohne Einrichtungsgegenstände. Fast täglich sollen dort Bewohner eingesperrt und teilweise über viele Stunden fixiert worden sein.

Die Verteidiger argumentieren, dass ihre Mandanten auf Grundlage von richterlichen Beschlüssen gehandelt haben. Alle heute kritisierten Vorgänge seien protokolliert worden. Die Angeklagten seien davon ausgegangen, dass ihre Handlungen gedeckt waren und alles nachprüfbar sein müsse. Juristisch interessant: Diese von den Anwälten als Entlastung angesehen detaillierten Protokolle sind nun eine wesentliche Grundlage für die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Quelle: dpa

Regionales