Keine MachtverschiebungKeine Vorteile: Gefechte im Jemen werden zum Abnutzungskrieg

In der kriegerischen Auseinandersetzung im Jemen sind die Fronten verhärtet. Beide Seiten erzielen nach Einschätzung von Experten keine Fortschritte. Die Regierung verbreitet Zuversicht. Hinter den Kulissen sucht Saudi-Arabien als Unterstützer längst den Ausstieg.
Die anhaltenden Gefechte im Jemen entwickeln sich nach Einschätzung von Experten immer weiter zu einem Abnutzungskrieg. Seit 30 Tagen habe es bei den Kämpfen keine Verschiebung der Machtverhältnisse gegeben, sagte Yazeed al-Jeddawy vom Sanaa Center dem Nachrichtenkanal Al-Dschasira. Die schweren Kämpfe und die Bereitschaft zu vielen Opfern sowie zur weiteren Eskalation auf beiden Seiten deuteten auf das Prinzip eines Nullsummenspiels hin, sagte al-Jeddawy.
Zu diesem Schluss kommt auch die Crisis Group. Der Krieg im Jemen sei "zunehmend eine Nullsummen-Konfrontation zwischen der Regierung und ihrem äußeren Unterstützer Saudi-Arabien einerseits und den Huthis andererseits", schreibt die Denkfabrik. Die Gegenoffensive der Regierung könnte sich verlangsamen und der Konflikt sich in einen Abnutzungskrieg verwandeln. "Die Kämpfe könnten durchaus noch einige Zeit weitergehen, ohne die Balance auf dem Schlachtfeld entscheidend zu verändern."
Der Bürgerkrieg im Jemen begann 2014 mit einem Aufstand der vom Iran unterstützten Huthi gegen die Regierung. 2015 begann Saudi-Arabien, Ziele der Miliz im Jemen zu bombardieren. Der Konflikt tobte über Jahre und führte zu Hunderttausenden Toten durch direkte und indirekte Kriegsfolgen. Seit 2022 galt eine Waffenruhe, doch im Zuge des Iran-Kriegs ist auch der Konflikt im Jemen in mehreren Provinzen neu eskaliert. Die Huthi nahmen dabei weitere Teile der Westküste am Roten Meer nahe der Meerenge Bab al-Mandab ein.
Nach dem raschen Vormarsch der Huthi versucht die international anerkannte Regierung, die Miliz mit Hilfe Saudi-Arabiens und verbündeten Milizen zurückzudrängen. Präsident Raschad al-Alimi sagte, es gebe weiter Fortschritte bei den Zielen, den Aufstand der Huthi zu beenden und die staatliche Hoheit im gesamten Jemen wiederherzustellen. Es ist aber äußerst unwahrscheinlich, dass die Regierungstruppen bis nach Sanaa im Norden vordringen könnten. Die Huthi haben sich in weiten Teilen des Landes, in denen auch die Mehrheit der Bevölkerung lebt, fest als beherrschende Macht etabliert.
Saudi-Arabien sucht schon seit Jahren einen Ausweg aus dem teuren Konflikt, der dem Land wegen der hohen zivilen Opfer und der humanitären Katastrophe im Jemen auch viel Kritik einbrachte. Das Königreich gerät seit Wochen stark unter Beschuss aus dem südlichen Nachbarland. Bisher scheiterten alle Versuche, den Krieg mit diplomatischen Mitteln dauerhaft zu beenden, etwa bei Vermittlungen durch den Oman und die Vereinten Nationen.
Vertreter Saudi-Arabiens sollen die Huthi-Führung zuletzt gefragt haben, was deren Bedingungen wären für ein Ende der Kampfhandlungen. Die Huthi sollen dabei Zahlungen in Höhe von 51 Milliarden US-Dollar (etwa 45 Milliarden Euro) gefordert haben, um die Kosten für saudische Bombardierungen im Jemen über Jahre und die Blockade bei der Einfuhr von Gütern in Huthi-Gebiete zu decken. Das berichtete das "Wall Street Journal".
