Politik

Trump-Debakel bei den MidtermsAlle Daten zu den US-Wahlen

04.11.2026, 20:29 Uhr
imageVon Martin Morcinek und Laura Stresing
00:00 / 09:29
Video poster

Politischer Umbruch in den USA: Bei den Kongresswahlen 2026 kippen die Mehrheitsverhältnisse in Washington, die Demokraten feiern einen deutlichen Wahlsieg. Was heißt das für Donald Trump? Die wichtigsten Zahlen zu den "Midterm Elections" im Überblick.

Die Wahllokale haben geschlossen, die Auszählung der Stimmen dauert in vielen US-Bundesstaaten noch an: Bei den Kongresswahlen inmitten der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben die Demokraten einen erdrutschartigen Wahlsieg eingefahren. Bei dem landesweiten Urnengang am 3. November 2026 waren insgesamt rund 250 Millionen US-Bürger dazu aufgerufen, die Machtverhältnisse in der US-Volksvertretung neu zu bestimmen. Wie gerät Trumps Machtbasis in Washington ins Wanken?

Die deutlichen Wahlerfolge der Demokraten zeichneten sich bereits in der Wahlnacht ab: Durch den Iran-Krieg, die steigenden Lebenshaltungskosten und die hohen Kraftstoffpreise hatten sich die sogenannten "Midterm Elections" in eine Abstimmung über den politischen Kurs der USA insgesamt verwandelt - und in ein Votum gegen US-Präsident Donald Trump. Wie sehen die aktuellen Daten aus den Bundesstaaten aus?

Hinweis: Daten und Infografiken zur US-Wahl 2026 werden laufend aktualisiert.

Die Zwischenwahlen schaffen auf einen Schlag neue Mehrheitsverhältnisse in den USA: Zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl von 2024 ging es bei den "Midterms" um die Neubesetzung aller 435 Abgeordnetenposten im Repräsentantenhaus sowie um ein Drittel der Sitze im Senat. "Midterms" werden die Parlamentswahlen in beiden Häusern des US-Kongresses genannt, wenn sie wie 2022 oder 2026 in die Mitte einer Amtszeit (englisch: "Term") des Präsidenten fallen.

Wahltag war traditionell der erste Dienstag im November. Gewählt wurde von Maine, New Hampshire und Massachusetts an der US-Ostküste über den Mittleren Westen bis Kalifornien, Hawaii und Alaska in gleich mehreren Zeitzonen. Aufgrund der Zeitverschiebung zog sich die Stimmabgabe am Wahltag von Dienstag, 3. November mittags deutscher Zeit bis in die frühen Morgenstunden am Mittwoch.

Hinweis: Den ntv Liveticker zu den US-Midterms 2026 finden Sie hier

Gewählt wurde regional auf verschiedenen Ebenen: Zeitgleich zur Repräsentantenhaus-Wahl in landesweit 435 Kongresswahlbezirken und den Senatswahlen in 36 Bundesstaaten standen vielerorts auch Gouverneurs-Wahlen an. Zusätzlich wurden in den Bundesstaaten und Countys zahlreiche weitere regionale und lokale Verwaltungspositionen neu besetzt.

Die Zwischenwahlen lieferten der US-Öffentlichkeit eine Gelegenheit zur Abrechnung mit der Ära Trump, mit seinem Politikstil und seiner teils chaotischen Amtsführung. In den vergangenen Monaten hatten Unsicherheit und Unzufriedenheit auch weite Teile von Trumps Wählerbasis im "Make America Great Again"-Lager erreicht. Die Folge: In beiden Kammern des US-Parlaments, im Repräsentantenhaus und im Senat, haben die Republikaner ihre bisher gehaltenen Mehrheiten verloren.

Dass es für die Republikaner unter Trump bei den Midterms 2026 nicht leicht werden würde, hatte sich in den Umfragen bereits abgezeichnet: Tatsächlich konnten die Demokraten in mehreren Schlüsselstaaten wichtige Mandate erobern. Insgesamt schnitten republikanische Bewerber sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat teils deutlich schwächer ab als erwartet. Selbst ausdrücklich vom US-Präsidenten persönlich unterstützte Kandidaten unterlagen dem politischen Gegner.

Ein Verlust der Mehrheit für die Republikaner dürfte in der Praxis weitreichende Folgen haben: Trump dürfte mit dem Rückhalt im Kongress vor allem einen Großteil seiner politischen Gestaltungsspielräume einbüßen. Neben etwaigen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen könnte dem amtierenden US-Präsidenten womöglich auch ein weiteres Amtsenthebungsverfahren drohen. Unabhängig davon hat Trump offensichtlich seinen Nimbus als Gewinner und Machtgarant verloren. Für die republikanische Partei, so scheint es, ist der einstige Immobilienunternehmer, Ex-Casinobetreiber und TV-Star zum politischen Belastungsfaktor geworden.

Wie sah die Machtverteilung im Repräsentantenhaus bisher aus? In dem 435 Sitze umfassenden "House of Representatives" - kurz auch einfach: "the House" genannt - konnte sich der US-Präsident zuletzt nur noch auf eine knappe Mehrheit stützen. Die Republikaner stellten dort bisher 218 Abgeordnete - inklusive des früheren Republikaners Kevin Kiley sind es 219. Der Abgeordnete aus Kalifornien war im Frühjahr aus der Partei ausgetreten, um sich als unabhängiger Kandidat um seine Wiederwahl zu bewerben.

Die Demokraten kamen im Repräsentantenhaus zuletzt auf 214 Abgeordnete. Der unabhängige Kiley verblieb in der Fraktion und stimmte bisher in der Regel mit den Republikanern. Zwei weitere Sitze waren aufgrund der Rücktritte des Republikaners Tony Gonzales aus Texas und der Demokratin Sheila Cherfilus-McCormick aus Florida vorerst unbesetzt.

In den Wahlprognosen war der politische Umschwung in den USA bereits im Vorfeld erkennbar: Basierend auf den jüngsten Umfragewerten rechneten Meinungsforscher mit Blick auf die Wahl am 3. November mit bis zu 220 halbwegs sicheren Sitzen für die Demokraten. Den Republikanern ließen sich demnach schon jetzt bis zu 200 Sitze mehr oder weniger fest zuordnen. In 27 Kongresswahlbezirken könne es trotz klar erkennbarer Tendenzen knapp ausgehen, hieß es. In insgesamt 15 Fällen galt das Rennen um den Einzug ins Repräsentantenhaus bis zur Wahlnacht als "noch vollkommen offen".

Im Senat sahen die Aussichten sehr viel enger aus: Bisher kontrollierten die Republikaner in dieser Kammer mit 53 zu 47 Sitzen klar die Mehrheit. Gestützt auf Erhebungen in den betroffenen Bundesstaaten ließen sich den beiden Parteien bisher jeweils nur 46 Sitze zuordnen. In den übrigen acht Fällen war die künftige Sitzverteilung noch offen.

Vor diesem Hintergrund richtete sich die Aufmerksamkeit der US-Öffentlichkeit auf eine Reihe weniger Schlüsselstaaten. Die Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse im Senat - so hieß es bis kurz vor der Wahl - könne in Texas, Kansas, Iowa, Michigan, Ohio, Georgia, North Carolina, New Hampshire und womöglich auch in Maine fallen. Spätestens mit dem Sieg des Demokraten Jon Ossof in Georgia und dem historischen Erfolg von James Talarico in Texas war in der Wahlnacht klar, wie breit der politische Umschwung in den USA bei diesen Midterms ausfällt.

Die neue Mehrheit im Senat

Regulär bleiben US-Senatoren volle sechs Jahre im Amt. Die Wahlperioden beginnen und enden jedoch versetzt: Alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu besetzt. Bei den Zwischenwahlen wurden dieses Mal jedoch 35 der 100 Senatorenposten neu vergeben.

Bei den Midterms 2026 standen somit zwei zusätzliche Sitze im Senat zu Wahl - über das reguläre Drittel hinaus. Der Grund: JD Vance und Marco Rubio haben nach der Wahl 2024 auf ihre 2022 errungenen Senatsmandate verzichtet, um unter Trump als Vizepräsident und Außenminister zu dienen. Gewählt werden musste somit in 35 der 50 Bundesstaaten.

Im Repräsentantenhaus gibt das US-Wahlrecht dagegen eine schnellere Taktung vor. Alle zwei Jahre wird die Parlamentskammer komplett neu zusammengesetzt. Die Abgeordneten müssen sich neu zur Wahl stellen. Die Bundesstaaten sind dabei in sehr unterschiedlichem Umfang in Washington vertreten.

Maßgeblich für die Anzahl der zu vergebenden Sitze ist die Einwohnerzahl: Dünn besiedelte Bundesstaaten wie Alaska, Wyoming oder die beiden Dakotas können jeweils nur einen Abgeordneten ins Repräsentantenhaus entsenden. Bevölkerungsreichere Bundesstaaten wie Illinois kommen auf 17, Florida auf 28, Texas auf 38 Sitze und Kalifornien sogar auf 52.

Die Zwischenwahlen in der Mitte der präsidentiellen Amtszeit sind in der US-Demokratie von herausragender Bedeutung: Verliert ein US-Präsident seinen Rückhalt im Kongress, sind seine politischen Handlungsspielräume künftig stark beschränkt.

Für Präsident Trump stand bei den Midterms damit auch seine politische Zukunft und die Bewegungsfreiheit in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit auf dem Spiel. Dank der "blauen Welle" - also des deutlichen Sieg der Demokraten in den entscheidenden Schlüsselstaaten - kann die Opposition im Kongress künftig Gesetzesvorhaben blockieren und auch parlamentarische Untersuchungen anstoßen.

Das offizielle Endergebnis der Zwischenwahlen steht noch nicht fest. In fast allen Bundesstaaten sind die einzelnen Rennen jedoch bereits klar entschieden: Die jeweils von US-Medien zum Gewinner erklärten Kandidaten liegen so weit vorn, dass sie trotz teils noch laufender Auszählung nicht mehr eingeholt werden können.

Es gibt allerdings Ausnahmen: Im US-Bundesstaat Mississippi zeichnete sich am Morgen nach der Wahl ein äußerst knapper Wahlausgang ab. Und auch in Alaska ist die Senatswahl vorerst noch nicht entschieden. Etwaige Neuauszählungen können das Wahlergebnis um Tage oder Wochen verzögern.

An der Ostküste schlossen die Wahllokale am Dienstagabend zwischen 19.00 und 20.00 Uhr Ortszeit (Eastern Standard Time, EST). Aus europäischer Sicht trafen damit erst am 4. November ab 1.00 Uhr morgens (MEZ) erste Hochrechnungen auf Basis von Nachwahlbefragungen ein.

Gewählt wurde in mehreren Zeitzonen: Bis die Wahllokale an der Westküste und in Alaska schlossen, vergingen weitere Stunden. In Kalifornien war die Stimmabgabe erst um 5.00 Uhr morgens deutscher Zeit beendet. In Hawaii wurde bis 6.00 Uhr morgens (MEZ) gewählt, in Alaska sogar bis 7.00 Uhr deutscher Zeit.

Donald Trump als "lahme Ente"?

Am Abend nach der langen Wahlnacht jedoch ist klar: Bei den Zwischenwahlen 2026 hat insbesondere Donald Trump eine krachende Niederlage eingefahren. "Er hatte keine überzeugende Botschaften an die Wähler, verzettelte sich in seinen Bauprojekten in Washington, schmiss sich mit dem Diesel-Deal an Putin heran und hatte keine Antwort auf die steigenden Lebenshaltungskosten", heißt es in einer der Wahl-Analysen bei ntv. "Die US-Bürger spüren Trumps Politik ganz direkt in ihrem eigenen Geldbeutel." 

Mit seiner Zoll-Politik und dem Iran-Krieg habe Trump seine "wichtigsten Wahlversprechen gebrochen", schreibt Politik-Redakteur Volker Petersen in einem Kommentar. Trump habe es nicht geschafft, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und die Lebenshaltungskosten zu senken. Damit hat der derzeit noch prominenteste Politiker der Republikaner der Opposition den Weg zum Wahlsieg geebnet.

Ohne Mehrheit im Kongress kann Trump künftig kaum noch aktiv gestalten - sofern er sich an die in der Verfassung vorgesehenen Beschränkungen hält. Im politischen Sprachgebrauch der US-Hauptstadt verwandelt er sich in eine "lame duck", eine lahme Ente.

"Trump hat seine Magie verloren", fasst USA-Korrespondent Roland Petersen die Folgen seiner Niederlage zusammen. Politisch geschwächt blickt der mittlerweile 80-Jährige den letzten beiden Jahren seiner zweiten Amtszeit entgegen.

Ohne Aussicht auf vorzeigbare politische Großprojekte könnte er als letztlich gescheitert in die Geschichte eingehen. Kurz: Donald Trump steuert darauf zu, seiner Partei in den verbliebenen beiden Jahren vor der Präsidentschaftswahl 2028 einen innen- wie außenpolitischen Scherbenhaufen zu hinterlassen.

Quelle: ntv.de

Karten-Daten-InfografikenDonald TrumpMidterm WahlenUSAUS-Kongresswahlen