Wenige Wochen nach Krebs-OPSüdamerika-Besuch wird für Papst nicht nur gesundheitlich herausfordernd

Besuch in der zweiten Heimat: Am Freitag bricht Papst Leo XIV. zu einer Reise nach Südamerika auf, die unter ganz anderen Vorbedingungen stattfindet, als geplant.
Eine Inkastätte auf 3700 Metern Höhe in den Anden: So nahe war ein Papst dem Himmel auf Erden schon lange nicht mehr. Seit 1990 nicht, als sich Johannes Paul II. mit dem Hubschrauber ins Massiv des Mont Blanc hinauffliegen ließ. Nun wird in Saqsaywaman oberhalb von Perus alter Inka-Hauptstadt Cusco, nicht weit entfernt von Machu Picchu, Leo XIV. zu Besuch sein. Wegen der dünnen Luft ist das schon für gewöhnliche Touristen eine Herausforderung - und erst recht für einen 71-Jährigen, dem wegen eines bösartigen Tumors erst vor drei Wochen ein Teil der Lunge entfernt wurde.
Durch die Krebs-OP Mitte Oktober haben sich die Gewichte von Leos fast zweiwöchiger Reise nach Südamerika - seiner längsten Auslandsreise bisher, die am 6. November beginnt - gründlich verschoben. Bis dahin richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem darauf, wie der gebürtige US-Amerikaner in seiner zweiten Heimat Peru aufgenommen wird, wo er fast ein Drittel seines Lebens verbrachte. Das ist nicht mehr so wichtig - ebenso wie die Frage, wie er mit rechtspopulistischen Staatschefs wie Keiko Fujimori in Peru und Javier Milei in Argentinien umgeht.
Vatikan-Ärzte geben grünes Licht
Jetzt geht es um seine Gesundheit. Den offiziellen Verlautbarungen zufolge ist der Papst ein geradezu idealer Patient: die OP, bei dem ihm der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt wurde, erfolgreich; früher aus dem Krankenhaus als geplant; und nach allen Befunden wieder völlig krebsfrei. Der Lungenkrebs habe nicht gestreut, keine weitere Behandlung sei erforderlich, so die behandelnden Ärzte Luigi Carbone und Stefano Margaritora. Es gebe "keine klinischen Gründe, warum die Reise nicht stattfinden sollte".
Allerdings gibt es Mediziner, die das kritisch sehen. Normalerweise muss sich ein Patient nach einer solchen OP einige Monate lang daran gewöhnen, dass seine Lunge weniger leistet. Standard-Empfehlung ist eigentlich auch, die ersten drei bis vier Wochen überhaupt nicht zu fliegen. Leo steigt mehr als ein Dutzend Mal ins Flugzeug. Allein die erste Strecke am 6. November von Rom nach Uruguay dauert 14,5 Stunden. Wie Höhenluft gelten auch Menschenmassen als gefährlich, der Keime wegen. Zu Papstmessen kommen Hunderttausende.
Rückkehr unter besonderen Umständen nach Peru
Trotz solcher Bedenken will der Vatikan alle Termine durchziehen. Die Reise werde "gemäß dem veröffentlichten Programm" stattfinden. Leo selbst ließ sich so zitieren: "Ich freue mich auf die Rückkehr auf den Kontinent, auf dem ich so viele Momente meines Lebens erlebt habe." In Peru hatte der US-Amerikaner - geboren unter dem Namen Robert Francis Prevost in Chicago - alles in allem mehr als 20 Jahre lang gearbeitet.
Für einen Besuch in seinem eigentlichen Heimatland gibt es hingegen weiterhin keinen Termin. Eine Einladung zu den 250-Jahr-Feiern der USA im Juli schlug Leo aus. Dafür gab der Immer-noch-US-Bürger bei den Zwischenwahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus bereits per Briefwahl seine Stimme ab. Natürlich gilt auch für den Pontifex das Wahlgeheimnis. Aber man liegt vermutlich nicht ganz falsch mit der Vermutung, dass er dem Maga-Lager von Donald Trump seine Stimme eher nicht gegeben haben dürfte. Zwischen den beiden gab es auch noch nie eine persönliche Begegnung.
Treffen mit zwei Trump-Vertrauten
In Peru war Leo die erste Zeit als Missionar tätig, dann als Bischof von Chiclayo, einer Großstadt im Norden. Dort wird er zwei Tage übernachten. Aus jenen Jahren hat er auch einen peruanischen Pass. Als Missionar kritisierte er den damaligen Präsidenten Alberto Fujimori, Vater der heutigen Präsidentin, wegen dessen brutalen Vorgehens im Bürgerkrieg gegen die Terrorgruppe "Leuchtender Pfad". Mehr als 60.000 Menschen kamen in jener Zeit ums Leben. Auch mit dessen späterer Begnadigung 2017 war er nicht einverstanden.
Deshalb wird mit Spannung erwartet, was Leo nun zum Thema Versöhnung, Aufarbeitung der Verbrechen und Menschenrechte sagen wird. So oder so dürfte er umjubelt werden. Neben den bei Papstbesuchen üblichen Souvenirs wie T-Shirts und Rosenkränzen gibt es in Lima auch Stoffpuppen mit Leos Antlitz. Die Regierung hat für die Zeit des Besuchs mehrere "arbeitsfreie Tage" angeordnet, damit die Leute an den Messen teilnehmen können - was allerdings bedeutet, dass die Arbeit später nachgeholt werden muss.
Die vorige Station in Argentinien wird aus politischer Sicht keineswegs leichter. Mit dem marktradikalen Staatschef Milei, der mit Trump noch vertrauter ist als Fujimori, verbindet ihn herzlich wenig. Dass Leo dennoch nach Buenos Aires kommt, hat auch damit zu tun, dass sein Vorgänger Franziskus aus Argentinien stammte und Erzbischof von Buenos Aires war, als Papst aber nie mehr zurückkehrte. In einem Land, in dem nach offizieller Statistik etwa 90 Prozent der Bevölkerung katholischen Glaubens sind, sorgte das für Irritationen.
Demgegenüber sollte die erste Station in Uruguay, Argentiniens kleinem Nachbarland, verhältnismäßig unkompliziert sein. Kirche und Staat sind dort strikt getrennt. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zum katholischen Glauben - deutlich weniger als in den meisten anderen Ländern des Kontinents. Das Land wird pragmatisch links regiert. Und auch mit Höhenluft sollte Leo in Uruguay keine Probleme haben: Der höchste Punkt der Hauptstadt Montevideo liegt 134 Meter über dem Meer.