Ist Salzburg zurück?

Wie ein deutsches Duo in Österreich für Wirbel sorgt

imageVon Marcel Prawda
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Cheftrainer Danny Röhl (l.) und Sportgeschäftsführer Marcus Mann haben in Salzburg alles im Blick. (Foto: IMAGO/GEPA pictures)
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05.11.2026 | 17:25 Uhr
Seit drei Jahren wartet Red Bull Salzburg auf einen Titel. Das umstrittene Vorzeigeprojekt hat viel von seinem früheren Glanz eingebüßt. Mit Danny Röhl und Marcus Mann soll der österreichische Klub nun zu alter Stärke zurückfinden.

Sie waren Serienmeister, sorgten international für große Nächte und ließen den Firmennamen ganz im Sinne ihres verstorbenen Gründers Dietrich Mateschitz glänzen: Der FC Red Bull Salzburg hat lange Zeit eine regelrechte Erfolgsgeschichte geschrieben. Doch seit drei Jahren gerät das einstige Vorzeigeprojekt zunehmend ins Stocken. Trainer Danny Röhl steht seit dem Sommer vor einer Mammutaufgabe: Er soll den Klub zurück zu alter Stärke führen.

Der gebürtige Zwickauer ist bereits der neunte Deutsche, der beim österreichischen Klub an der Seitenlinie steht. Die Liste seiner Vorgänger liest sich prominent: Matthias Jaissle, Roger Schmidt und Marco Rose schafften mit und bei Salzburg den internationalen Durchbruch. Nun soll Röhl an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen.

Schließlich hatten die "Bullen" die heimische Bundesliga über Jahre nach Belieben dominiert und zwischen 2014 und 2023 gleich zehn Meisterschaften in Folge gefeiert. Doch die Zeiten der Salzburger Alleinherrschaft sind vorbei. In den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 musste der Serienmeister jeweils Sturm Graz den Vortritt lassen. In der vergangenen Saison ging die Meisterschale an den LASK. Den Salzburgern blieb lediglich Rang drei, die schlechteste Endplatzierungen in der Red-Bull-Ära.

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"Bullen" in der Krise

Mitten in der Saison hatte Salzburg den Geschäftsführer Sport austauschen müssen, weil Rouven Schröder nach nur wenigen Monaten zu Borussia Mönchengladbach weiterzog. Auf den Deutschen folgte ein Deutscher: Marcus Mann kam von Hannover 96. Dieser wollte Röhl und bekam ihn - für viel Geld. Allein für den 37-jährigen Trainer überwiesen die Salzburg-Verantwortlichen zwischen einer und zwei Millionen Euro an dessen vorherigen Arbeitgeber Glasgow Rangers. Eine Ablösesumme, die im österreichischen Fußballmarkt alles andere als üblich ist.

Doch damit nicht genug: Auch der Kader wurde kräftig umgebaut. Mehr als 36 Millionen Euro flossen in neue Spieler. Mit Haris Tabakovic und Umut Tohumcu (beide TSG Hoffenheim), Nikolas Veratschnig (Mainz 05) sowie dem ehemaligen Frankfurter Jesper Lindström (Leihe vom SSC Neapel) fanden mehrere Spieler mit Bundesliga-Erfahrung den Weg nach Salzburg. Mehr Routine in den Kader bringen, das war die Devise.

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Die schwachen Vorsaisons - national und international - sollen ausgebügelt werden. Denn nicht nur in der Bundesliga lief es nicht, auch europäisch schwächelte der Klub gewaltig. Während Salzburg zwischen 2019/20 und 2024/25 sechsmal hintereinander die Gruppenphase der Champions League erreichte, 2021/22 bis ins Achtelfinale vordrang und zuvor 2017/18 im Halbfinale der Europa League spielte, reichte es in der Vorsaison nur zu Platz 31 von 36 in der Ligaphase der Europa League.

Salzburg war zuletzt weit weg von den großen internationalen Abenden, als das Team im Jahr 2014 unter Roger Schmidt Ajax Amsterdam in der Johann-Cruyff Arena mit 3:0 abschoss oder mit Marco Rose im Herbst 2018 den "großen Bruder" aus Leipzig vorführte und mit 18 von 18 möglichen Punkten als Gruppenerster in die K.-o.-Phase der Europa League einzog.

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Mann leitet Umbruch ein

Für Mann war klar: So kann es nicht weitergehen. Er reagierte mit einem umfassenden Umbruch. Trainer Daniel Beichler, der mitten in der vergangenen Spielzeit vom Partnerklub Liefering aus der zweiten österreichischen Liga hochgezogen worden war, musste nach dem letzten Spieltag und nach nur 14 Spielen bereits wieder gehen.

Sein Nachfolger wurde Röhl, der damit endgültig in die RB-Familie zurückkehrt. Dieser hatte schon 2010 bei RB Leipzig erste Erfahrungen im Profifußball gesammelt, zunächst als Videoanalyst, später als Co-Trainer unter Ralph Hasenhüttl. Dieser nahm Röhl auch mit in die Premier League zum FC Southampton. 2019 folgte der Wechsel zum FC Bayern München, wo Röhl im darauffolgenden Jahr als Co-Trainer unter Hansi Flick das historische "Sextuple" gewann (Gewinn der Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, UEFA Supercup, DFB-Supercup und FIFA Klub-WM).

Anschließend folgte Röhl Flick zur deutschen Nationalmannschaft, ehe er im Oktober 2023 seine erste Cheftrainerstelle beim englischen Zweitligisten Sheffield Wednesday übernahm. Dort führte er den zu diesem Zeitpunkt stark abstiegsgefährdeten Klub zum Klassenerhalt. Zuletzt trainierte er den schottischen Traditionsklub Glasgow Rangers, mit dem er in seiner ersten Saison Vizemeister wurde. Doch dann riefen Mann und die Verlockung Salzburg und somit kehrte Röhl in den RB-Kosmos zurück.

Röhls Arbeit trägt Früchte

Die Transferoffensive der Österreicher kombiniert mit Röhls Spielidee scheint sich bislang auszuzahlen. In 21 Pflichtspielen feierte Salzburg 15 Siege und spielte fünfmal unentschieden. Auch in der österreichischen Bundesliga präsentierte sich die Mannschaft defensiv stabil. Mit gerade einmal sechs Gegentoren aus elf Partien stellen die Salzburger die beste Abwehr der Liga. In der Tabelle befinden sie sich hinter Spitzenreiter SK Rapid aktuell auf Rang zwei.

Auch Mann zeigte sich im Oktober in einem Interview mit Sky zufrieden mit der bisherigen Zusammenarbeit: "Wir sind sehr zufrieden und glücklich, dass er da ist. Es gab schon im Vorfeld eine sehr große Überzeugung von ihm als Trainer, deswegen haben wir auch lange darum gekämpft und sind in schwierige Verhandlungen mit den Glasgow Rangers gegangen."

Die bislang einzige Niederlage kassierten Röhl und sein Team in der UEFA Europa League. Gegen den AC Milan setzte es vor heimischer Kulisse eine deutliche 0:4-Pleite. Zuletzt verspielten sie beim slowenischen NK Celje eine zwischenzeitliche 2:0-Führung und mussten sich mit einem Unentschieden gegen den Underdog begnügen. International stehen die Salzburger nach drei Spieltagen bei vier Punkten und auf dem 21. Tabellenplatz. Nur einen Platz und einen Punkt darunter lauert RSC Anderlecht - der Gegner am heutigen Donnerstag (18.45 Uhr/RTL+ und im ntv.de-Liveticker).

Ein Sieg in Belgien und die Vorzeichen auf einen Platz unter den ersten 24, die in die nächste Runde einziehen, stehen gut. Das ist der Anspruch der Salzburger, das ist die Anforderung an Marcus Mann und Danny Röhl. Die Deutschen in Österreich müssen liefern. Damit sie bald wieder von großen internationalen Abenden nicht nur träumen müssen.

Verwendete Quelle: ntv.de